„Der Mandela-Effekt“ ist ein absolutes Must-see für Akte-X-Fans. Die vierte Episode der Staffel 11 enthält so viel Witz und Erinnerungen an die Serie und gleichzeitig enorme Kritik an der realen Welt.
Nie war Akte X so politisch wie in Staffel 11. Fast in jeder Folge finden sich Anspielungen auf US-Präsident Donald Trump oder Fake News. Das ist insofern interessant, weil es in Zeiten von Chemtrails, Fake News und Verschwörungstheorien in der „realen Welt“ irgendwie komisch wirken würde, wenn Akte X bliebe, wie es in den 90ern war. Damals hätten die Macher der Serie wohl nicht im Traum daran gedacht, dass es da draußen noch viel mehr „Mulders“ gibt und dass das Internet diesen Effekt noch verstärkt hat. Oder, um es mit den Worten von Scully zu sagen:
Vielleicht ist Akte X sogar der Nährboden für spätere Verschwörungs-Spinner im Internet geworden. Daher ist „Der Mandela-Effekt“, Folge 4 der 11. Staffel, eine fast schon satirische Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien und Akte X selbst.
Der verschwundene X-Agent
Besonders skurril ist dabei, wie sich Verschwörungstheoretiker Mulder und Verschwörungstheoretiker Reggie (Brian Huskey) gegenseitig vorwerfen, Verschwörungstheoretiker zu sein. Mehrfach hören wir Scully und Reggie energisch und zeitgleich zu Mulder sagen: „Es gibt kein Parallel-Universum!“ In der Debatte geht es um den so genannten Mandela-Effekt, bei dem sich Menschen falsch an einen bestimmten Sachverhalt erinnern, beispielsweise an ein Ereignis, das so nie stattgefunden hat. Eine von vielen Erklärung dafür könnten Erinnerungen aus einem Parallel-Universum sein.
Reggie behauptet, dies ginge auch umgekehrt, so dass die Erinnerung der Menschen manipuliert werden kann. Als Beweis bringt Reggie an, selbst mal Teil der X-Akten gewesen zu sein und Mulder und Scully können sich nun nicht mal mehr an ihren einstigen Partner erinnern.
Mitten in der Episode spendieren uns die Macher von Akte X einen neuen Vorspann mit der altbekannten Titelmelodie und – deutlich zu sehen – der Ausweis von Reggie als dritten Agenten. Herrlich verrückt!
Reggie glaubt, dass „Sie“ die Erinnerungen von Menschen manipulieren. Dieses unbestimmte „Sie“ war in allen Staffeln von Akte X immer der Platzhalter für mächtige Männer im Hintergrund, die an der Geschichte herumdoktern und die Alien-Invasion planen.
Genau dieses „Sie“ wird in der Folge „Der Mandela-Effekt“ aufs Korn genommen. Denn auf einmal ist das „Sie“ gar nicht so unbestimmt sondern personifiziert in der Figur des Dr. Sie (im Original: Dr. Thaddeus Q. They, Stuart Margolin).
Niemand weiß genau, was die Wahrheit ist
Der wiederum konfrontiert Mulder mit seiner eigenen Jagd nach „der Wahrheit“, was in einer spannenden Quintessenz mündet. Laut Dr. Sie lebt Mulder in einer längst vergangenen Vorstellung von der Welt. Außerdem wisse heute keiner mehr so genau, was wirklich die Wahrheit sei. Er zitiert Donald Trump mit: „Niemand weiß es genau“ und trifft damit einen Kern. Niemand weiß in einer Welt aus Halbwissen, Halbwahrheiten, oberflächlich gelesenen Informationen und Fake News, was denn nun eigentlich wahr und was falsch ist. Mulders Einwurf mit der objektiven Wahrheit hilft da auch nicht weiter und die Suche nach der Mulderschen Wahrheit wirkt auf einmal so sinnlos.
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Dr. Sie outet sich als Fake-News-Fälscher, indem er behauptet, Fakten als Fake News in die Welt zu setzen und so letztendlich alle inklusive dem Zuschauer der Folge zu verwirren. (Im Deutschen liegen Fakt und Fake so schön dicht beieinander, fällt mir beim Schreiben auf.)
Die Folge enthält noch mehr mehr oder wenig offensichtliche Kritik. In Rückblenden des Lebens von Reggie wird er als CIA-Agent dargestellt, wie er beim Verhör jemand mit Wasser übergießt (Waterboarding-Debatte) oder als schlafender Mitarbeiter der Börsenaufsicht.
Am Ende entpuppt sich Reggie als ausgebrochener Psychatrie-Insasse und wird in einer Zwangsjacke mit einem Ghostbusters-Krankenwagen in das „Spotnitz Sanatorium“ (in Erinnerung an den ehemaligen Akte-X-Produzenten Frank Spotnitz) gebracht.
War am Ende die ganze Aufregung um manipulierte Erinnerungen und Gruppen-Manipulation umsonst? Es wäre nicht Akte X, wenn nicht auf einmal Director Skinner um die Ecke käme und fragte, wo man denn den Kollegen Reggie hinbringe…
Fazit
„Der Mandela-Effekt“ ist eine wunderbare Hommage an Akte X selbst, bringt Fans zum Lachen und jeden Zuschauer gleichzeitig zum Nachdenken. Denn so irre die Folge um Erinnerungsmanipulation mit ihren ganzen Rückblenden und satirischer Selbstreflexion ist, so viel Ernsthaftigkeit steckt auch in ihr.
Denn die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich auch in der realen Welt als zunehmend schwierig. Nicht umsonst erklärt Dr. Sie, wie er durch den einfachen Upload von Videos ins Netz eine alternative Wahrheit schafft, die Leute da draußen glauben. Die Folge spielt darauf an, dass es gar nicht nötig ist, Erinnerungen zu manipulieren. Gesessen hat der Satz von Dr. Sie: „Das mag im Moment die Wahrheit sein.“ Dem Zuschauer wird klar, dass im Jahr 2018 die Wahrheit nur relativ ist. Insofern ist aus dem Verschwörungs-Gag der Serie der 90er ein bitterer Trend geworden. Dementsprechend ist es auch nur konsequent, dass in einer der letzten Szenen eine Ufo-Landung gezeigt wird, in dem ein Außerirdischer den verdatterten Mulder, Scully und Reggie klar macht, man will mit den Menschen nichts zu tun haben und würde eine Mauer um die Erde bauen. Autsch.
„Der Mandela-Effekt“ zählt mit zu den besten Folgen der 11. (und vermutlich letzten) Staffel von Akte X. Jeder Fan sollte diese gesehen haben, denn sie enthält so wunderbare Erinnerung an vergangenen Jahre mit Akte X. Oder gab es diese Serie niemals?
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Der Beitrag Review: „Der Mandela-Effekt“ erschien zuerst auf Akte-X.tv.
